Mord auf Terrasse aufgeklärt: Täter zeigt keine Reue

Hubert ist ein wahrer Einzelgänger vor dem Herrn.
Einige seiner Anverwandten bedenken in gar mit den Worten: „Komischer Kauz“. Angesichts seines Alters, er nähert sich den 60, wird ab und an noch das Attribut „alter“ in obige Schubladisierung eingefügt.
Zwei Katzen, eine umfangreiche Videosammlung, tagelanges Serien schauen, aktuell Single, guten Job in einer IT Firma von heute auf gestern einfach beendet, weil „es irgendwie nicht mehr so richtig gepasst hat“ ist nichts was dem „kauzig sein“ entgegensteht.

Was immer Hubert auch sein mag, er ist ein braver gesetzestreuer Bürger seines Landes für den das Glas eben mal gerne halb leer ist, der aber sonst nicht leicht aus der Ruhe zu bringen ist.
Doch heute vormittag hatte Hubert ein erschütterndes Erlebnis. Ein kaltblütiger Mord direkt auf seiner Terrasse.
Von wegen Sicherheit in den eigenen vier Wänden. Hubert wurde unmittelbarer Ohrenzeuge eines Verbrechens. Er hat gehört, wie der Täter nur wenige Meter entfernt sein Opfer brutal attackiert hat.

Hubert stürzt nicht ganz zu Tode erschrocken ins Freie und sieht vor sich eine Leiche. Ihm ist sofort klar, dass die beste Notfallmedizin nicht mehr helfen kann. Der Kopf des Ermordeten hängt völlig verdreht und schlaff weg, aus einer kleinen Wunde am Hals sickert Blut auf den Boden. Jeder echte Emergency-Room-Grey´s-Anatomy Notfallchirurg weiß: „Der ist tot. Genickbruch! Zeitpunkt des Todes zwischen 11:40 und 11:42“.

Hubert´s plötzliches Erscheinen am Tatort hat den Täter wohl auch in eine Art Schockzustand versetzt. Er sitzt mit großen Augen direkt neben dem Opfer und stupst es immer wieder an, so als wolle er es aufwecken.
Als sich Hubert zu den beiden hinabbeugt wird ihm klar: „Das ist ja der Kleine von den Nachbarn über mir. Er und seine Eltern wohnen direkt unter dem Dachgiebel.“

Noch schlimmer als die Leiche auf der Terrasse ist für Hubert, daß der Täter auch kein Fremder ist. Nein es ist jemand mit dem er seit acht Jahren unter einem Dach wohnt. Niemals hätte Hubert ihm so eine Tat zugetraut. Er ist doch so ein süßer puscheliger Kerl, der täglich seine Streicheleinheiten einfordert, schnurrt, kuschelt und rund sechzehn Stunden des Tages verschläft.

Und jetzt ist da ein Raubtier, ein Predator mit scharfen Krallen, spitzen Zähnen und blutiger Schnauze. Das Blut des Opfers tropft vom Schnurrhaar und eine kleine Feder schwebt aus seinem Maul zu Boden.
Ein heftiger Dialog zwischen Hubert und dem Täter nimmt seinen Lauf: „Böse Katze!“ „Miau“. Wie gesagt ein hitziger Dialog, wenn auch zeitlich eng begrenzt.

Nun schreitet Hubert umgehend zur Tat. Nach einer respektvollen Schweigesekunde schleppt er das Opfer von der Terrasse in die Wohnung um zu vermeiden, dass Nachbarn das Verbrechen bemerken. Er bettet den kleinen Piepmatz sanft in ein Stück saubere, weisse, unbedruckte Küchenrolle und bestattet ihn umgehend im Biomüll.

Hubert verständigt weder Polizei noch Flugrettung. Er wird dem Mörder weiterhin freie Kost und Logis gewähren und ein braver Diener seines pelzigen Herrn bleiben. Morgen geht er mit seinem Kater erstmal zu einem Psychologen oder Psychiater.
Ein Jahr ambulante Therapie sollte die beiden vor einer schweren PTBS bewahren und die Albträume werden mit der Zeit verschwinden.

Bei dieser Gelegenheit wollen wir alle des Opfers gedenken und sprechen Familie Meise unser tiefstes Bedauern über ihren Verlust aus. Wir wünschen ihnen für ihre nächste Reise in den Süden, so sie diese unternehmen, alles Gute und: „Fliegt´s nicht über Italien!“

Warnhinweis

Noch ein Tipp an alle Vogelfamilien: „Alle in der Siedlung hoffen, dass Familie Meise für 2019 eine bessere Unterkunft finden kann, denn in der nächsten Umgebung dieser Giebelwohnung mit spektakulärer Aussicht wohnen mittlerweile noch weitere sieben Artgenossen des Täters, der auch rund zwölf Stunden nach der Tat keinerlei Anzeichen von Reue zeigt.

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